Ratgeber
Was den Preis einer Occasion wirklich bestimmt
Wer sein Auto verkaufen will, stellt sich früher oder später dieselbe Frage: Was ist es noch wert? Eine einfache Zahl gibt es darauf nicht, denn der Preis einer Occasion ist das Ergebnis mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärken oder aufheben. Dieser Beitrag erklärt die Mechanik dahinter, damit Sie eine Offerte einordnen können und wissen, welche Punkte Sie selbst noch beeinflussen.
Jahrgang und Kilometerstand: die Basis
Alter und Laufleistung bilden das Fundament jeder Bewertung. Der Jahrgang, also das Jahr der ersten Inverkehrsetzung, legt fest, welche Modellgeneration Sie besitzen, welche Technik verbaut ist und wie das Auto im Vergleich zu aktuellen Fahrzeugen dasteht. Der Kilometerstand zeigt, wie viel von der erwartbaren Lebensdauer bereits verbraucht ist.
Entscheidend ist das Verhältnis der beiden Grössen zueinander. Ein Auto mit wenig Kilometern für sein Alter wird anders beurteilt als eines, das in kurzer Zeit weit gefahren wurde. Beides hat seine Eigenheiten: Wenig gefahrene Autos haben oft viele Kurzstrecken hinter sich, was dem Motor nicht unbedingt guttut. Viel gefahrene Autos waren häufig auf der Autobahn unterwegs, was schonender ist, als der Kilometerstand vermuten lässt. Ein erfahrener Käufer schaut deshalb nicht nur auf die Zahl, sondern auf die Geschichte dahinter.
Servicegeschichte und MFK-Status
Ein lückenloses Serviceheft ist der stärkste Beleg dafür, dass ein Auto gepflegt wurde. Es zeigt, ob Öl, Filter, Bremsflüssigkeit und Zahnriemen zum richtigen Zeitpunkt gewechselt wurden und ob Reparaturen fachgerecht ausgeführt worden sind. Fehlen Einträge, muss der Käufer davon ausgehen, dass die Arbeiten nicht gemacht wurden, und rechnet die Kosten in seine Offerte ein. Rechnungen, Garantiebelege und der Nachweis über kürzlich ersetzte Verschleissteile wirken in dieselbe Richtung, nur positiv.
Ähnlich verhält es sich mit der MFK. Ein Fahrzeug, das die Prüfung kürzlich bestanden hat, gibt dem Käufer Sicherheit: Bremsen, Fahrwerk, Abgase und Beleuchtung wurden von neutraler Stelle geprüft. Steht die Prüfung bevor oder wurde sie nicht bestanden, kehrt sich das um. Der Käufer muss die Mängel schätzen, ohne sie genau zu kennen, und wird im Zweifel vorsichtig rechnen. Wer den Prüfbericht vorlegen kann, nimmt dieser Unsicherheit die Spitze.
Schäden, Rost und Ausstattung
Nicht jeder Schaden wiegt gleich schwer. Eine Delle in der Tür oder ein Kratzer in der Stossstange sind kosmetisch und lassen sich einschätzen. Ein Unfallschaden mit Auswirkungen auf die Karosseriestruktur ist eine andere Kategorie, weil die Reparatur aufwendig ist und der Wagen danach als Unfallfahrzeug gilt. Motor-, Getriebe- oder Kupplungsschäden verändern die Rechnung grundlegend: Das Auto wird nicht mehr als fahrbereite Occasion bewertet, sondern danach, was Reparatur oder Export einbringen.
Rost verdient einen eigenen Blick. Oberflächlicher Flugrost an Anbauteilen ist unschön, aber harmlos. Rost an Schwellern, Radläufen, Bodenblech oder Achsaufnahmen betrifft die Substanz und damit auch die nächste MFK. In der Ostschweiz mit ihren gesalzenen Winterstrassen ist das kein seltenes Thema.
Die Ausstattung wirkt in die Gegenrichtung, allerdings selektiv. Bestimmte Extras werden auf dem Occasionsmarkt aktiv gesucht:
- Automatikgetriebe bei grösseren Fahrzeugen
- Allradantrieb, gerade in Gegenden mit richtigen Wintern wie dem Toggenburg oder dem Appenzellerland
- Anhängerkupplung, Navigationssystem, Standheizung
- Sitzheizung, Lederausstattung, Parksensoren
Andere Extras, die beim Neukauf teuer waren, spielen Jahre später kaum noch eine Rolle. Die Frage ist nie, was ein Extra gekostet hat, sondern ob der nächste Käufer dafür bezahlen würde.
Farbe, Nachfrage und Jahreszeit
Farbe ist Geschmackssache, aber der Markt hat einen Geschmack. Unauffällige Farben wie Schwarz, Grau, Silber und Weiss sprechen die meisten Käufer an und verkaufen sich darum leichter. Auffällige Farben finden ihre Liebhaber, aber weniger davon, und das dauert länger. Für den Wiederverkauf zählt allein, wie gross der Kreis der Interessenten ist.
Dasselbe gilt für Modell und Aufbau. Ein Kombi oder ein SUV mit Allrad findet in der Ostschweiz schneller einen Abnehmer als ein Zweisitzer. Ein Modell, das gerade durch eine neue Generation abgelöst wurde, verliert an Aufmerksamkeit. Ein Modell mit einem bekannten Serienproblem wird kritisch beäugt, auch wenn Ihr Exemplar nie betroffen war.
Die Jahreszeit spielt hinein, weniger als viele glauben, aber spürbar. Cabriolets wecken im Frühling Interesse, Allradfahrzeuge im Herbst, wenn der erste Schnee näher rückt. Wer sein Auto in der passenden Saison anbietet, spricht mehr Interessenten an, und mehr Nachfrage stützt den Preis.
Fotos, Eindruck und die Rolle der Ehrlichkeit
Beim Privatverkauf entscheiden die Fotos, ob überhaupt jemand anfragt. Beim Verkauf an einen Autoankauf entscheiden sie, wie treffsicher die erste Einschätzung ausfällt. Aufnahmen bei Tageslicht von allen Seiten, vom Innenraum, vom Tacho und von bekannten Schäden ersparen Rückfragen und Überraschungen bei der Besichtigung. Ein sauberes Auto wirkt gepflegt, und ein gepflegtes Auto erweckt Vertrauen in alles, was man nicht sieht.
Ehrlichkeit gehört in dieselbe Kategorie. Verschwiegene Schäden tauchen bei der Besichtigung ohnehin auf und werfen dann die Frage auf, was sonst noch nicht erwähnt wurde. Wer Mängel von Anfang an benennt, erhält eine Offerte, die hält.
Für eine unverbindliche Einschätzung Ihres Fahrzeugs steht unser Offertformular bereit. Angaben zu Marke, Modell, Jahrgang, Kilometerstand, Getriebe und Treibstoff, dazu ein paar Fotos, genügen für den ersten Schritt.